Middlemarch

Es wird wieder Zeit über einen Roman zu schreiben. Die letzten Monate war ich mit einem Monolithen der Weltliteratur beschäftigt: Middlemarch von George Eliot.
Ich war in mehrerlei Hinsicht zunächst skeptisch, ob ich das Buch lesen sollte. 1280 Seiten lesen sich nicht gerade in wenigen Tagen oder Wochen. Zudem sind historische Romane meist etwas langatmig, was das Lesen dieser Bücher nicht wirklich einfacher macht.
Doch es stellte sich heraus, dass es sich bei Middlemarch ganz und gar nicht um eine verstaubte Chronik des viktorianischen Englands handelt. Tatsächlich ist Middlemarch kein historisches Artefakt, sondern ein psychologischer Spiegel der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, der uns auch noch heute fast erschreckend klar reflektiert.
Statt einer Nacherzählung des Romans werde ich daher die Parallelen zu unserer Gesellschaft des 21.Jahrhunderts aufzeigen.
Aber bevor die psychologische Feinarbeit beginnt, werde ich ein paar Worte zur Autorin des Romans verlieren. Ja, richtig gelesen, zur AutorIN!

Als George Eliot berühmt - Als Mary Ann Evans gesellschaftlich geächtet

Mary Ann Evans wurde am 22. November 1819 in Nuneaton, in der Grafschaft Warwickshire geboren. Sie ist die Tochter des Gutsverwalters Robert Evans und dessen zweiter Frau Christiana Pearson und das jüngste von insgesamt fünf Geschwistern.
Mary Ann galt als hervorragende Schülerin und die Stellung ihres Vaters gab ihr Einblicke in das Leben der Arbeiterschicht als auch des Landadels. Zudem verschaffte es ihr den Zugang zur Bibliothek des Gutes.
Sie arbeitete nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Journalistin und Übersetzerin. Durch ihre Arbeit kam sie in Kontakt mit vielen britischen Intellektuellen der damaligen Zeit.
Der amerikanisch-britische Schriftsteller Henry James beschrieb sie einst folgendermaßen:
Sie hat eine niedrige Stirn, glanzlose Augen, eine gewaltige Nase, einen immensen Mund voller unregelmäßiger Zähne, ein Kinn und Backenknochen, die gar nicht enden wollen. In dieser immensen Hässlichkeit wohnt eine überaus mächtige Schönheit, die in wenigen Minuten den Sinn bezaubert, sodass man am Ende in sie verliebt ist, wie ich es war.

Mary Ann lernte den verheirateten Autor George Henry Lewes kennen, mit dem sie eine offene Liebesbeziehung führte. Diese wilde Ehe war ein Skandal in der damaligen Zeit und wurde auch im Bekanntenkreis abgelehnt. Nachdem ihr Bruder Isaac, dem sie sich sehr verbunden fühlte, von dem Verhältnis erfuhr, brach dieser jeden Kontakt zu ihr ab.
Um Ansehen, Glaubwürdigkeit und Respekt in der literarischen Welt zu erlangen, veröffentlichte Mary Ann Evans mehrere, sehr erfolgreiche Romane unter dem männlichen Pseudonym George Eliot. Ihr erfolgreichstes Werk Middlemarch erschien ab 1871, unterteilt in acht Bände. Darin beschreibt George Eliot das Leben in einer fiktiven gleichnamigen Kleinstadt in den Midlands um das Jahr 1830. Der Untertitel A Study of Provincial Life zeigt, dass Mary Ann besonders an der gesellschaftlichen und psychologischen Dynamik interessiert war.
Ihr Kernanliegen war die Förderung von Empathie in der Gesellschaft. Sie sah Empathie als höchste Form des Wissens, die über Meinungen hinausgeht und erfordert, sich in die Welt anderer hineinzuversetzen.

Die unsichtbaren Fäden des Lebens - Warum wir in einer vernetzen Welt nie allein scheitern

Noch lange bevor das World Wide Web erfunden wurde, nutzte George Eliot das Bild eines Netzes, um die menschliche Gesellschaft zu beschreiben. Sie verstand es, dass keine Handlung im Vakuum stattfindet. In der Kleinstadt Middlemarch ist jeder Klatsch, jede finanzielle Entscheidung und jede gescheiterte Ehe ein Faden, der das Schicksal des anderen mitzieht.
Nennen wir dieses Netz heute Globalisierung, Digitalisierung oder Social Media. Wir fühlen uns oft als Individuen, die scheinbar völlig frei entscheiden können, doch Eliot zeigte bereits: Wir sind alle Teil eines komplexen Gewebes aus sozialen Erwartungen, wirtschaftlichen Druck und stehen unter ständiger Beobachtung durch unsere Mitmenschen.
Wie können wir also in einer hypervernetzten Welt ein bedeutungsvolles Leben führen, ohne uns im Netz der Erwartungen zu verheddern?

Vom Dorfklatsch zu digitalen Shitstorms

In Middlemarch ist die Stadt selbst fast ein eigenständiger Charakter - und zwar ein ziemlich urteilender. George Eliot beschreibt die Kleinstadt mikroskopisch, in dem jede Bewegung beobachtet, interpretiert und meistens zum Nachteil der Betroffenen ausgelegt wird.

Nehmen wir das Beispiel des jungen, ambitionierten Arztes Tertius Lydgate, der aus der Großstadt nach Middlemarch kommt, um dort die Medizin zu reformieren. Er unterschätzt jedoch die Macht des Klatsch und Tratsches der “einfachen” Leute und geht davon aus, seine fachlichen Kompetenzen würden ihn genau vor solchen Gerede und Vorverurteilungen schützen.
Als er aber dann eines Tages in finanzielle Schwierigkeiten gerät und eine fragwürdige Verbindung zu dem korrupten Bankier Bulstrode eingeht, reicht den Einwohnern von Middlemarch nur ein Gefühl, um seinen Ruf zu vernichten.

Ein anderes Beispiel aus dem Roman geben die Charaktere Dorothea Brooke, Will Ladislaw und Edward Casaubon. Edward Casaubon, Dorotheas erster Ehemann, hat vor seinem Tod ein Testament mit einem äußerst heiklem Zusatz aufgesetzt. Darin bestimmt er, dass Dorothea ihr gesamtes Erbe verliert, sofern sie Will Ladislaw heiraten sollte.
Doch nicht Will und Dorothea erfahren zuerst von dem Inhalt des Testaments, sondern die Öffentlichkeit von Middlemarch. Das Testament wird zum Gegenstand von Klatsch noch bevor die Betroffenen die Tragweite begreifen können. Das Städtchen Middlemarch verurteilt die beiden, da zwischen ihnen bereits etwas Unmoralisches vorgefallen sein muss, sonst würde es ja nicht so im Testament stehen! Das Narrativ ist gesetzt. Ob es sich vielleicht auch um das Testament eines eifersüchtigen, verbitterten, kranken Mannes handeln könnte?
In unserer heutigen Welt entspricht dies jenen Momenten, wenn private Chatverläufe und interne Dokumente veröffentlicht werden, um jemanden sozial zu schwächen oder komplett zu eliminieren. Was früher der Tee-Nachmittag und die Kirchenbank waren, ist heute der Kommentarbereich auf Instagram oder X. Empörung erzeugt Reichweite, sei es in den Straßen von Middlemarch oder im heutigen digitalen Zeitalter.
George Eliot unterteilt aber die Menschen in Middlemarch nicht in “gut” oder “böse”. Vielmehr zeigt sie, dass Menschen oft dazu neigen, Komplexität durch einfache, oft grausame Narrative zu ersetzen.
Wir haben nun die Wahl: Befeuern wir das Netz aus Vorurteilen, in dem wir uns an den Online Debatten beteiligen oder bewahren wir uns die Fähigkeit zur Differenzierung?

Wenn Idealismus auf die Realität trifft

Wir leben heute in einer Gesellschaft, die uns ständig suggeriert, dass ein “normales” Leben nicht ausreicht. Es wird jungen Menschen oft eingeredet, nicht nur einen Job zu finden, sondern “ihre Leidenschaft zum Beruf” zu machen und dabei am besten noch das Klima retten oder ein Start-Up gründen.
Die Suche nach dem ultimativen Sinn, der unser Leben rechtfertigt, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer heutigen Kultur. In Middlemarch, vor ca. 200 Jahren, keimte bereits das Streben nach Selbstverwirklichung auf. Dorothea Brooke und Rosamund Vincy verfolgen zwei sehr unterschiedliche Formen des Idealismus. Während Dorothea moralische Größe erreichen möchte, sucht Rosamund ästhetische Perfektion, das perfekte Bild ihrer Selbst.
Rosamund ist das Produkt einer Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, eine Frau zur Zierde der Gesellschaft zu machen. Deswegen hat sie auch eine ganz genaue Vorstellung, wie ihr Haus, ihre Kleidung und ihr Ehemann auszusehen haben. Sie verfolgt das Ideal eines eleganten, perfekten Lebens. Als ihr Ehemann, Tertius Lydgate, finanzielle Probleme bekommt, bricht nicht nur ihr Bankkonto zusammen, sondern ihre gesamte Identität und sie weigert sich die harte, hässliche Realität anzunehmen.
Heute verstärkt Social Media das Zur-Schau-Stellen eines vermeintlich perfekten Lebens. Bröckelt die Fassade, haben viele Menschen Schwierigkeiten, sich in der nicht so schönen Realität zurechtzufinden, da schlichtweg das Fundament fehlt.

Ein ganz anderes Ideal verfolgt Dorothea Brooke. Sie ist jung, intelligent und sucht nach einer tieferen Bedeutung im Leben. In einer Welt, in der von Frauen nur erwartet wird, dass sie hübsch auszusehen haben und einen guten Haushalt führen sollen, will Dorothea “Großes” vollbringen. Sie will Schulen bauen, die Armut lindern und die Welt verstehen. Dorothea heiratet den alternden Gelehrten Edward Casaubon, in dem Glauben durch ihn an einer monumentalen, geistigen Arbeit teilhaben zu können. Nach der Heirat findet sie aber einen emotional verkrusteten Mann vor, der ihr die geistige Mitarbeit verwehrt und dessen Lebenswerk sich schließlich als bodenlose Sackgasse herausstellt. Zu allerletzt versucht er sie durch sein boshaftes Testament noch aus dem Grabe heraus zu kontrollieren.
Während Dorotheas Sinnsuche noch tief in der moralischen Pflicht gegenüber der Gesellschaft verwurzelt ist, ist die heutige Suche nach dem Sinn des Lebens individueller. Heute suchen Menschen oft nach transformativen Erlebnissen, Reisen oder Unternehmungen, von denen sie sich einer wirkliche Veränderung ihres Selbst erwarten. Das kann z.B. ein anspruchsvoller Handwerkskurs, eine außergewöhnliche Reise, eine Therapie oder ein Jahr im Schweige-Kloster sein. Im Vergleich zu unseren Eltern oder Großeltern definieren sich viele, insbesondere junge Menschen nicht mehr über das Haben sondern über das Sein. Das birgt natürlich die Gefahr, dass der banale Alltag unerträglich wird und wir unser Leben nur noch durch die Linse erinnerbarer Momente bewerten, wie es z.B. beim Posten von Bildern und Videos der Fall ist. Dies führt wiederum dazu, dass das eigentliche Erleben im Moment für das Foto des Moments geopfert wird. Und nicht nur der Alltag wird zur Qual, auch im Job wollen sich die Menschen verwirklichen. Leider muss man dann doch oft feststellen, dass Firmen ihre eigenen Ziele verfolgen, wenig Rücksicht auf die Selbstverwirklichungswünsche der Mitarbeiter nehmen und zudem starre, bürokratische Apparate im Weg stehen. Man erfährt eine ähnliche Machtlosigkeit und Enttäuschung wie sie Dorothea empfunden hat. Am Ende bleibt dann nur noch Erschöpfung. Erschöpfung darüber, dass das eigene Projekt keine Früchte trägt.

Rosamund und Dorothea, beide scheitern auf ihre Weise an der Realität von Middlemarch. Jedoch sieht George Eliot für Dorothea ein milderes Ende vor. Dorothea findet ihren Frieden nicht in einer weltverändernden, außergewöhnlichen Tat, sondern in der Erkenntnis, dass sie durch kleine, private Handlungen das Leben der Menschen um sie herum besser machen kann. Sie lässt Dorothea also ankommen, während Rosamund in ihrer egozentrischen Welt gefangen bleibt.
Was bedeutet das für uns heute? Es bedeutet, dass es okay ist, nicht die Welt zu retten. Es ist auch okay, wenn dein Job einfach nur ein Job ist, solange du im Kleinen, für deine Freunde, deine Familie, deine Mitmenschen, ein Mensch mit Integrität bleibst. Selbstverwirklichung kann auch darin bestehen, tiefe Verbindungen zum Partner, zu Freunden oder der Familie zu führen, an denen man gegenseitig wächst und die frei von Oberflächlichkeit und Idealismus sind.
Dorotheas Weg wird aktuell von einigen jungen Menschen eingeschlagen. Man kann beobachten, dass anstatt viele Fotos für die Öffentlichkeit zu posten, sich Interaktionen in “geschlossene” Räume verlagern. Plattformen wie Discord oder WhatsApp-Channels boomen. Man möchte nicht mehr gesehen werden, sondern dazugehören. Zudem wird das perfekt durchgestylte Urlaubsfoto auf Instagram durch unscharfe, unvorteilhafte oder völlig banale Schnappschüsse ersetzt. Das ist zum Teil auch den KI-generierten Bildern und Texten geschuldet, die das Netz fluten.
Dorotheas Weg ist also eine Einladung zur radikalen Akzeptanz des Unperfekten und Gewöhnlichen.

Talent reicht heute (immer noch) nicht

Ein ähnliches Scheitern in Middlemarch erfährt der bereits erwähnte junge, ehrgeizige Arzt Tertius Lydgate. Wie bereits beschrieben, kommt er nach Middlemarch um die Medizin dort zu revolutionieren. Er ist talentiert, ambitioniert und hat an den besten Fakultäten von Edinburgh und Paris studiert. Jedoch ignoriert er die lokalen Empfindlichkeiten, die Egos der alteingesessen Ärzte und natürlich die Macht des Klatsches. Lydgate denkt, sein Wissen und sein medizinischer Fortschritt würden für sich selbst sprechen.
Das erinnert uns heute oft an junge Fachkräfte, die mit neuen Ideen in starre Konzerne und Institutionen kommen, um dort für frischen Wind zu sorgen, jedoch dann oft feststellen müssen, das sie ignoriert werden, egal wie gut die eigentliche Arbeit oder Idee ist.
Das Scheitern von Tertius Lydgate wird durch drei Faktoren letztendlich herbeigeführt. Zunächst sind es seine finanziellen Schwierigkeiten, in die er durch seine Ehe mit Rosamund Vincy gerät. Zudem macht er sich vom Bankier Bulstrode abhängig. Als dieser dann in einen Skandal verwickelt wird, zieht er Lydgates Ruf mit in den Abgrund. Und schließlich gibt Lydgate seine Forschung in Middlemarch auf und zieht nach London. Er wird dort ein wohlhabender Arzt für reiche Patienten - ein Erfolg nach außen, aber ein Verrat an seinen eigenen Idealen. Lydgate hat sich somit dem System angepasst um zu überleben.
Tertius Lydgate erinnert uns daran, dass niemand eine Insel ist. Wir können noch so talentiert sein - wenn man die materielle, politische und soziale Struktur ignoriert, wird man von dieser geformt, anstatt sie selbst zu formen.

Mut zum einfachen Leben

Während Dorothea und Lydgate an ihren riesigen Idealen oder dem System verzweifeln, zeigen Mary Garth und Fred Vincy, wie man sich in einer komplizierten Welt trotzdem zurechtfinden kann.
Fred Vincy, der Bruder von Rosamund Vincy, soll Pfarrer in Middlemarch werden, da sich seine Eltern das wünschen und es sich damals um ein prestigeträchtigen, anerkannten Beruf handelte. Fred selbst aber hat so gar keine Lust auf den Beruf eines Geistlichen. Zudem hat er Schulden, ist unzuverlässig und enttäuscht seine Eltern.
Mary Garth, seine große Liebe ist weder reich noch schön (im Sinne von Rosamund), noch hat sie Ambitionen die Gesellschaft zu revolutionieren. Was sie auszeichnet ist Realismus, Integrität und absolute Ehrlichkeit, vor allem sich selbst gegenüber. Sie weiß genau wer sie ist und was sie wert ist. Während andere Charaktere sich in Illusionen flüchten, sieht Mary die Welt wie sie ist.
Mary liebt Fred, aber sie weigert sich, ihn zu heiraten, solange er ein unzuverlässiger Müßiggänger ist. Stattdessen fordert sie von ihm Eigenverantwortung und zwingt ihn, sich selbst zu retten.
Ein Schlüsselmoment im Roman ist ihre Weigerung am Sterbebett des alten, sehr reichen Peter Featherstone dessen Testament illegal zu ändern. Obwohl sie weiß, dass damit Freds finanzielle Probleme mit Sicherheit gelöst werden, bleibt sie standhaft. Sie wählt somit den schwierigeren, mühseligeren Weg der Arbeit als den leichten Weg des Betrügens.
Fred wird schließlich Gutsverwalter, ein Beruf, der damals sozialer Abstieg war, ihn aber glücklich macht.
Während Dorothea und Lydgate in Projektionen verliebt sind, lieben sich Mary und Fred für das, was sie wirklich sind, inklusive ihrer Fehler. Man könnte sagen, dass das die modernste Form von Liebe ist.
Letztendlich führen sie zusammen ein unglamouröses und einfaches, aber ehrliches und zufriedenes Leben.

Fazit: Piacer e popone vuol la sua stagione

Nur wenige von George Eliots Figuren erreichen das, was sie sich wirklich wünschen und alle müssen lernen, Kompromisse einzugehen. Manche lernen daraus und finden vorübergehendes Glück. Andere weigern sich oder sind unfähig zu lernen und verbringen ihr Leben damit, ihre Situation zu verabscheuen und andere zu beschuldigen. Und wieder andere erkennen zwar ihre Fehler, sind aber in einer falschen Entscheidung gefangen und können sich nie befreien.

Middlemarch gehört zu jenen Büchern, die fast eine hypnotische Wirkung auf ihre Leser hat. So ähnlich erging es auch mir beim Lesen, es war schwer das Buch zur Seite zu legen. Der Roman erinnert uns daran, dass Scheitern zum Leben dazugehört und oft die kleinen, unsichtbaren Taten Zufriedenheit und Spaß am Leben garantieren. Wir sind alle voller Träume, oft fehlgeleitet, aber fähig zu tiefer Menschlichkeit.

Wir sollten uns dem Optimierungsdruck widersetzen. Wir sollten uns daran erinnern, dass wahrer Einfluss oft dort liegt, wo niemand zuschaut: in der Integrität gegenüber unseren Mitmenschen. Wir sollten Klatsch verweigern. Wir sollten ehrliche Hilfe anbieten und freundlich sein.

Bezeichnend dafür sind George Eliots berühmte letzte Worte aus Middlemarch:

Doch die Wirkung ihres Daseins auf ihre unmittelbare Umgebung war unberechenbar vielfältig, denn das Wohl der Welt hängt zum Teil von unheroischen Taten ab, und dass alles um uns nicht so schlecht steht, wie es könnte, verdankt sich zum Teil der Zahl jener, die gewissenhaft im Verborgenen lebten und in vergessenen Gräbern ruhen.

- Middlemarch, George Eliot, Seite 1198